Bemerkenswert

[Welt]-wie sie mir gefällt…

„Ich mache mir die Welt wie sie mir gefällt!“, hat Pippi Langstrumpf groß rumgetönt und es hat ihr keiner den Wind aus den Segeln nehmen können. Sie schipperte dahin ins Takatukaland und wurde reich entlohnt. Aber sie legte noch einen Klopper oben drauf!-Ganz recht, sie lief die Decke entlang wie eine Fliege, alles was sie dafür brauchte war eine klebende Haftcreme unter ihre Sohlen zu schmieren und ein Limonadenbaum mit endlosem Dispo stand fast direkt vor ihrer Haustür.

Warum nun dieser Exkurs? Ganz einfach, ich persönlich finde, dass die Welt viel mehr in diesen Bahnen laufen sollte. Und das tut sie leider nicht. Kinder werden für ihre ausgefallene Kleidung gehänselt, wenn sich ihre Ideen von der Masse abheben, dann werden sie schräg angeschaut, oder abgestoßen. Magische Limonadenbäume werden Kindern wie der Floh eines Weihnachtsmannes aus dem Kopf katapultiert, weil sie ohnehin im Handumdrehen erwachsen werden müssen-ansonsten wären sie in dieser Welt doch gar nicht lebensfähig! Und auf den Kopf gestellt werden die Sachen schon gar nicht-das gehört sich schlicht und ergreifend nicht und wo kämen wir denn erst hin, wenn sich jeder die Welt machen würde, wie es ihm oder ihr gerade in den Kram passt!

Ja, wo kämen wir dann hin? Das kann ich Euch sagen!:
Auf einen Blog namens T(j)innef nämlich, auf dem eine Pippisympathisantin ihr Unwesen treibt, die ihren Namen Astrid Lindgren zu verdanken hat. Tag ein Tag aus steht sie auf dem Misthaufen und wartet auf den Regen mit dessen Hilfe sie den Sternen entgegen wachsen will, anstatt einer Werkstatt verkriecht sie sich nicht zum Schnitzen, sondern zum Gedankenspinnen in ihrem Bauwagen und während sie noch an der Rezeptur für die Schuhpaste à la Langstrumpf tüftelt, macht sie sich erstmal nach Takatukaland auf und nimmt euch mit!

Aber wer ist überhaupt sie? Siezt man sich auf einem Blog überhaupt? Also gut, das ist zwar nicht mein erster Blog, aber ein Senkrechtstarter bin ich in solchen Dingen auch nicht. Und ich hat auch einen Namen und der ist „Tjorven“ und Tjorven ist weiblich. Vor mir steht eine Reise nach Neuseeland, die laut Reiseziel klischeehafter nicht sein könnte, das Schöne dabei: Es liegt beim Tinnef im Auge des Betrachters, ob es lesens- und/oder sehenswert ist.

Darum richtet sich mein Blog, neben meiner Familie und meinen Freunden, an jeden, den es interessiert. Wen nicht, kann ich auch verstehen, denn ich rede wie ein Wasserfall und schreibe sicher viel Unsinn und presse so manches Gedankenkäuel in einen meiner Bandwurmsätze. Ich bin ich und das ist mein Tinnef, auch wenn ich auf Selbstdarstellung nicht viel gebe und mein Smartphone aus Prinzip irgendwo vergesse (mein Motto und Whatsappstatus: Status für eine technokratische Gesellschaft, die aufgehört hat den Moment zu leben) oder ausstelle-versuche ich es nun mit diesem Blog. Hätten wir das auch geklärt: Ich bin also nur eine weitere Irre aus dem 20. Jahrhundert, die meint nicht technokratisch zu sein, aber der Generation Y zugeordnet werden kann und einen Blog über Unsinn schreibt schon etwas mainstream, oder? Naja, bis auf den Fakt, dass sie mit offenen Karten spielt und ihr Unsinn somit keine Mogelpackung ist-weil ein Öko ist sie obendrein auch noch-wer hätte das gedacht!

T(j)innef, weil in jedem Unsinn ein Sinn liegt und nur wertlos ist, was nicht wert-geschätzt wird!

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Heimat – mehr als ein Gefühl

Was ist Heimat?

Ich kann euch nun eine Antwort geben: Meine Heimat ist so vielseitig und vielschichtig, dass sie mich auf den ersten Blick und Schritt erschlagen und glatt umgehauen hat. Es fühlt sich an wie ein erstes Date. Auf dem Flug habe ich noch einen Kiwifilm geschaut und einen Australier neben mir sitzen gehabt, aber als wir aufgefordert werden auszusteigen – da schwillt etwas in mir an, das fast platzt – ich trabe in federnen Großschritt an den anderen Passagieren vorbei, die ich erst vorgelassen hatte, die mir dann aber doch zu langsam sind.

Dann falle ich meiner Mutter und meinen Geschwistern in die Arme, naja meine Schwester und Mutter fallen mir und ich meinem Bruder, denn der ist zu einem halben Hochhaus angewachsen! Es waren doch nur acht Monate?

Auf dem Rückweg geht dann das Gezanke weiter – alles beim Alten, denke ich! Ein bisschen Fernweh ist dort auch, aber wie besonders die Weite, die Luft und der Geruch hier oben im hohen Norden ist, schwärmt mir dann meine Kiwi-Freundin aus München vor, als wir sie vom Zug in Hamburg einen Tag vor meinem Geburtstag abholen.

Es passiert viel auf einmal in kurzer Zeit, dabei bin ich doch gestern erst zurück gekommen? Bis jetzt bin ich noch Gast in meinem Körper. Freunde und Familie sind gekommen, ich habe die Platte abgespult über Abenteuer, die ich erlebt habe, aber wirklich ins Detail konnte ich nicht gehen, es waren schließlich acht Monate. Nun stehe ich vor den neuen Herausforderungen – Melkalltag in Deutschland, Wohnungssuche und Schafherdenmanagement und dann die vielen Verabredungen mit Freunden, die mich alle bald wiedersehen möchten. Da wird schon regelmäßig in die Heimat ans andere Ende der Welt telefoniert, denn da ist schon etwas dabei, wenn man sagt, dass zu Hause ist wo das Herz ist – und das Herz lässt sich ja auch zweiteilen :-)

Aber nun zeige ich euch erstmal meine Heimat im Norden!

Schleswig-Holstein:

Rechts Wasser,

Links Wasser,

dazwischen: trockener Humor!

Ich lebe in einem Dorf, in dem sich jeder mit „Moin“ begrüßt, mit Menschen, die ich kennenlerne, schnacke ich gleich drauf los. Es regnet hier tatsächlich 300 Tage im Jahr – das ist völlig normal und hier weht immer ein raues Lüftchen – also arrangiert man sich auch mit dem Schietwetterblick mancher Mitmenschen. Sturm ist erst, wenn die Schafe am Deich – von denen es reichlich gibt – keine Locken mehr haben. Dithmarschen ist so flach, dass man morgens den sieht, der abends zu Besuch vorbeikommt. Wo Hilfe gebraucht wird, wird angepackt, ein Feierabendbier gönnt man sich hier an der Küste auch gerne unter der Woche – weil geschafft, geschafft ist. Ich bin ein Dorfkind und stolz drauf :-)

Meine Freundin Aicha in Dubai – die ich im Aufzug am Flughafen kennengelernt habe und die mich auf einen Tee eingeladen hat – hat recht, man sollte einer Kultur nicht einem Land aufzwängen, denn schon mein Kiwidad hat mir beigebracht es steht und fällt mit den Menschen. Also ist es völlig normal, das meine Freundin aus München gar nicht bis nach NZ reisen, sondern nur acht Stunden gen Norden reisen muss, um einen Kulturschock zu bekommen, denn schon du, der das hier liest, hast mit hundertprozentiger Wahrscheinlichkeit eine andere (Haus)Kultur als ich. Das nenne ich seit meiner Begegnung in Dubai „Hauskultur“, der eine zieht die Schuhe an der Türschwelle aus, der nächste latscht mit ihnen hinein, ein anderer schließt den Klodeckel, den der Vorgänger sperrangelweit auf gelassen hat, der nächste putzt vor, der andere nach dem Frühstück seine Beißerchen – noch Fragen? Wir sind alle Unikate – und wieso sollte es nicht auch unsere Kultur sein? Meine Hauskultur ist neuseeländisch und deutsch gefärbt, da muss sich nun auch meine deutsche Mama dran gewöhnen, wie mein Kiwidad sich an meine deutschen Eigenarten gewöhnen musste. Denn es dreht sich alles um die Menschen!

Eure

Toffeepops, Toffi, Tjorveni, Torpedo, Toff, Tjorvi, Toffee, Jorven

Es ist alleseine Frage der Perspektive!

P.S.: Ihr findet mich demnächst auch hier.

Flugblatt

Es regnet Kalenderblätter, der Wind wirbelt sie in die Luft,

ihr weißer Blattschnee, reitet über den Wolken wie Taubenfedern ins ferne Nimmerland,

einst ausgezupft wie die Blätter eines Gänseblümchens, Blatt für Blatt,

niemand hat ihn kommen sehen, den jungfräulich wirkenden Neuschneesturm.

Wer lässt sich trügen von dem zahnpastablendenden Weiß,

das erst den Sommer, dann den Herbst und auch den Frühling geschluckt hat, wie ein rabenschwarzes Wurmloch?

Da hat mich doch tatsächlich der Taxifahrer gefragt, ob ich verheiratet bin, oder kurz davor…Ich bin froh nun endlich am Flughafen zu sitzen – viel zu früh, aber was soll’s! Geschafft ist geschafft. Die Blicke und die Fragen nach einem Freund, oder Reisepartnern und nun auch noch dem Ehemann – das war mir alles ein bisschen viel, um ehrlich zu sein.

Dubai ist eine schöne Stadt, aber anders – Unangenehme Themen, wie halbnackte Frauen sind hier immer noch vertreten und auch in die Wüste hat es der Müll geschafft.

Eine Wüstensafari, war dann mein Highlight von Dubai, auch wenn ich es mir weniger touristisch vorgestellt habe – aber die Blumenmalerei muss man sich hin und wieder abschminken. Auf einem Kamel zu reiten ist jedenfalls ein geniales Gefühl!

So viel dazu, ich sitze am Flughafen, denn die Zeit ist wie im Flug vergangen. Wo sind nur die letzten 8 Monate geblieben?

Aber keine Angst! Ich werde den Blog weiterführen, denn dies war a nicht meine letzte Reise (wurde gestern wieder eingeladen – dieses Mal nach Brasilien) :-) und b muss ich euch ja noch über mein Wiedereinlebungsprogramm und mein Wiedersehen mit meinem Kiwidad in ein paar Jahren informieren! Wen das Reisefieber einmal packt, den lässt es so schnell nicht wieder los!

Passt auf euch auf – und lasst euch nicht anschnacken!

P.S.: Wer in Dubai ist: Hände weg von den Limousinen!!! Weiße Taxis! Die normalen Taxis nehmen anstatt 80 DHS weniger als 20!:-)

37 Grad und es wird noch heißer

Brühwarm sind die NEWS um die Landung einer Kiwi-Deutschen in den Vereinigten Arabischen Emiraten nun ja nicht mehr. Zwischen Australien und mir liegen nun sechs und zwischen Neuseeland und mir acht Stunden Zeitunterschied.

Sechzehn Stunden Flug haben mich in eine andere Welt getragen. Schon am Flughafen war ich verwirrt, am meisten wohl über den Stempel in meinem e-Reisepass, denn es ist der erste, den ich nach acht Monaten Reise bekomme – der Vollautomatisierung sei dank!! (Ironie aus)

Das Einzige, das meine Euphorie nun noch trübt: Eine dicke Erkältung, die sich kurz vor dem Flug angekündigt und dann rechtzeitig im Flugzeug ausgebrochen ist – Punktlandung[.] Mit leckenden Augen und roten Wangen habe ich es dann durch die Sicherheitskontrolle geschafft. Ob die Menschen mich wg meiner körperlichen Verfassung, dem großen Rucksack, der mich überragt, oder den blonden und unbedeckten Haaren angeschaut haben, konnte ich auf Grund der Reizüberflutung nicht sagen.

Als ich dann in einem Taxi saß, die erste Hiobsbotschaft: keine Kartenzahlung -SORRY. Wieso hatte ich den Kerl denn auch vorher noch gefragt, ob er Kartenzahlung nimmt? Ich höre nie zu, meint er. – JACKPOT– denke ich mir, das fängt ja gut an. Schwieriger Akzent und dann hören sie nicht zu, die Araber. Im nächsten Moment will er mich loswerden, Zeit ist Geld…Hektisch versucht er mich auf ein teures Taxi umzuverlagern, vor denen ich schon gewarnt wurde (Finger weg von der schicken Limousine!).

Ich frage mich durch bis ich ein Taxi finde, das Karte nimmt. Fünfmal darf ich mir dann aber hier anhören: NO AMERICAN EXPRESS. Danke, ich spreche Englisch, denke ich mir, mittlerweile geht es mir so dreckig, dass ich einfach nur noch ins Bett fallen möchte. Doch auch das kommt anders, als erwartet. Am Hotel angekommen, wird mir das Gepäck wie selbstverständlich abgenommen und auf einen schicken Wagen gepackt. An der Rezeption hole ich mein Handy raus und zeige die Buchungsnummer, doch die Buchung, die ich vor Monaten auf booking.com gemacht habe und die mir immer noch auf meinem Bildschirm angezeigt wird, wurde gecancelt. Still und heimlich, ohne mir eine Mail zu schicken, oder mich darüber zu informieren, dass ich eine Kreditkarte hinterlegen müsste, um diesen Vorgang zu verhindern. Stattdessen hatte mir besagte Website mir noch Maskenmails zur Buchung geschickt…Danke dafür!

Nun stand ich ziemlich dumm da, völlig verrotzt, miefig vom langen Flug und desorierentiert und dazu noch ohne Bett… Die Rezeption hatte Mitleid und versuchte mir zu helfen, mit WLAN Passwort ausgestattet ging ich auf schnelle Hotelsuche. Also fand ich mich in 37 Grad wieder, 20 Kilo Rucksack und 7 Kilo Handgepäck aufgeschnallt, der Schweiß rannte nun in Bächen meinen ausgelaugten Körper hinunter. Der nette Gepäckmann kam mit mir vor die Tür und zeigte mir den Weg zum neuen Hotel, den ich glücklicherweise auch fand. Und hier bekam ich neben einem Zimmer, eine Apfelschorle und auch eine Gepäckerleichterung.

In dieser Hotelwelt komme ich mir schon merkwürdig vor. Mein Gepäck trage ich nun schon acht Monate auf dem Rücken, dann schaffe ich es doch auch noch in den Aufzug und zu meinem Zimmer? Ein Kingsizebett, das ich nicht teilen muss, ein großzügiges Bad nur für mich allein, einen Schreibtisch, ein Sofa und einen Balkon und einen Fernseher, auf dem es auch einen deutschen Kanal gibt, der zwar unter ZDF läuft, aber nur, weil es drauf steht, ist es noch lange nicht drin:-D

Allgemein komme ich mir vor wie im Film „Der Prinz von Zamunda“, denn wo ich mich noch über die Schokolade und Erkältungsmedizin im Schrank gefreut habe, ist mir im Nachhinein aufgefallen, dass diese zur Minibar gehört und damit in Rechnung gestellt wird. Learning by doing – also das nächste Fettnäpfchen. Diese Hotelwelt ist nicht meine Welt, ich komme mir vor wie ein Dorftrampel, ich habe doch erst gelernt selbst zugehen und wer rennen kann, der fängt doch nicht wieder an zu gehen? Aber so schlimm ist mein Hotel dann auch nicht, denn es gibt hier 5 Sternehotels mit persönlichen Butlern und Helikopterflughafentransfer – noch Fragen ?

Auf der Straße wurde mir dann prompt ein Flugblatt zu gesteckt, auf dem u.a. Botox angeboten wird, auf dem Gehweg liegen Kärtchen mit freizügigen Frauen und ihre Telefonnummern. Es kommen mir auch Frauen in Kurzarm und kurzen Hosen entgegen, doch sie sind in Begleitung. Ich trage meine dünne Regenjacke, ein langes T-Shirt und eine Leggings. Meine Haare sind nicht bedeckt, Jungs drehen sich nach mir um, oder gucken mich merkwürdig an, aber ich fühle mich nicht bedroht, wie es vielfach geschürt wird.

Trotzdem habe ich mir ein Gewand und Kopftuch gekauft, aber mich dann doch dagegen entschieden es zu tragen, denn es kommen einem allerhand knapp bekleidete Mädchen entgegen und ist es nicht ein viel größerer Angriff, wenn ich mich erdreiste als nicht-muslim traditionell zu verhüllen und das ohne anständig das Kopftuch binden zu können? Also tut es eine Leggings und ein weites und langes T-Shirt, das die Schultern bedeckt hält. Und das Feedback, das ich bekomme: Ich gebe den Normalo ab.

Nichtsdestotrotz liegt die Aufmerksamkeit auf mir: Nicht nur Taxen hupen mich an, Männer gucken mich an (und wenn ich mich umsehe, dann habe ich an zwei Tagen in Dubai vllt 3 blonde Mädchen gesehen). Nach einer Busrundtour habe ich einen groben Einblick in Dubais Architektur und Lebensdynamik bekommen und ich muss sagen, dass mir das voll und ganz gereicht hat, und dank zwei Bayern mit rotem Trikot und den guten Lederhosen schon mal wieder einen Geschmack auf zu Hause bekommen. Verschnupft wie ich war, wollte ich anschließend nur schlafen und zurück zum Hotel laufen. Ein Kerl, er meint er kommt aus Kanada und er glaubt mich zu kennen. Als ich ihm sage, dass wir uns im oberen Stockwerk gesehen haben, meint er: nein, wo anders. Er fragt woher ich komme. Ich: Deutsch. Dann erzählt er mir, dass er aus Deutschland nach Dubai geflogen ist… Er wirkt nett, aber das soll ja nichts heißen. Er bietet mir einen Lift zum Hotel an – ich lehne ab…Es sind nur drei Kilometer, aber ich traue dieser Stadt noch nicht über den Weg. Also laufe ich und treffe den nächsten. Einen alten Mann, der mit mir redet, sich auf eine Bank setzt und mir seine Nummer gibt. Ich solle mich melden, wenn ich Fragen habe, er erkundigt sich, ob ich etwas gegen meine Erkältung habe und lädt mich ein mit mir zum Burj Khalifa zu fahren (mit der Bahn). Es ist sehr unhöflich eine Einladung abzulehnen, also willige ich ein, im Hotel habe ich Probleme ihm zu Texten, da mein Handy die Nummer nicht annehmen möchte. Also hoffe ich, dass Mohammed nicht allzu enttäuscht ist. Der Mehrschlaf tat mir trotzdem gut. Heute Morgen treffe ich einen Norweger mit afrikanischen Wurzeln, der sich nett mit mir unterhält. Dieses Interesse bin ich nicht gewohnt, da freue ich mich schon wieder auf die Kerle, die einen großteilig in Frieden lassen.

Ein Gespür für die Währung habe ich immer noch nicht. Den Taxifahrer habe ich von 80 auf 36 DHS runtergehandelt (von 19 auf ca 9 Euro für 5 Minuten Taxifahrt) Seine Aussage: Ich mag Deutschland! Deutsche sind streng und diszipliniert. Danach reißt er einen Witz: er fragt nach meinem Namen und als ich ihn frag, meint er: Hitler.

Nur, dass seine Aussprache so schlecht ist, dass ich dreimal nachfragen muss, bis ich es verstehe. Ein komischer Humor, den die Araber dort haben.

Heute sind es 33 Grad und ich reite auf dem 🐪 durch die Wüste. Wusstet ihr, dass das Kamel im Winter einen Monat ohne Wasser und im Sommer zwei Wochen in der Wüste überleben kann? Es hat eine feine Nase, die die Wasserquelle für die Menschen aufspürt, die sich im Punkto Wasser aufs Kamel und die Milch verlassen. Gejagt wird in der Wüste mit Falken :-) 37 Grad ist übrigens erst der Anfang – 54 Grad sind hier völlig normal – mein Hirn würde hier wohl mit einem Ei auf dem Gehweg um die Wette schmoren! :-D

nächtliche Flügelschläge

Wir stoben nachtaktiv durch die Nacht, zucken wie Sternschnuppen über den Himmel, ohne Ziel.
Unser bildschirmbehelltes Gesicht setzt uns einen biolumineszenzären Schleier auf, ist er heilig, nur weil er angehimmelt wird?
Der Maskeradenvorhang fällt weder vor klimatären Umschwüngen, der Tunnelblick blendet Links und Rechts aus.

Ich sitze in Brisbane am Flughafen, kurz zuvor wurde ich von Polizisiten auf der Straße angequatscht, sie haben mich nach einer verdächtigwirkenden Person für eine Backpackerin abgestempelt. Dann habe ich mir über Uber eine günstige Taxialternative zum Flughafen gegönnt und den ersten Muslim getroffen, nach einer interessanten Unterhaltung über Religion und Kultur und auch den IS bin ich wieder schlauer geworden. By the way: Wusstet ihr, dass Eukalyptus Koalas nicht wirklich high macht? Vielmehr versorgt sie ihre Ernährungsweise nicht mit genügend Energie um einen Ausdauersportler abzugeben, also wird stattdessen lieber abgehangen;-) Gelernt habe ich das in der Koala Sanctuary, wo ich auch Kängurus gesehen habe.

Gut, die Bedingungen waren fake und nicht mein Standard, denn Tiere in Käfigen sind nicht meine Welt:-) Aber Australien zu verlassen, ohne ein einziges Känguru oder einen Koala gesehen zu haben? Das ging ja irgendwo auch nicht… Trotzdem war auch dieser Besuch egoistisch  und hätte eigentlich nicht Not getan. Vergleichbar mit der Beruhigungsschokolade, die im Grunde genommen auch überflüssig ist, aber auf die auch nicht verzichtet werden will. Nur, dass die Folgen der Schokolade gegen uns selbst und nicht gegen Dritte gerichtet ist.

Aber wir sind alle Egoisten, nicht nur der kapitalstarke Chinese, der sich dreister Weise an der Schlange vorbeigedrängelt hat, in dem er sich in die „Crew only“ – Warteschlange (nicht vorhanden, da niemand sonst gewartet hat) eingeschleust hat.

Ich verlasse Brisbane und damit auch die Zeitzone der Südhalbkugel, das tippe ich hier wie in Trance (vllt weil mein Hirn schon den Stromsparmodus eingeschaltet hat?) um 00:33 Ortszeit ab, aber realisieren werde ich diesen Schritt erst in einem der vielen Rückspiegelmomente. Es ist eine merkwürdige Zerreißprobe, zwischen Sehnsucht nach Deutschland und Fernweh nach Neuseeland, bei der sich noch nicht abschätzen lässt, wer schlussendlich den kürzeren zieht.

Neben Liebesbekundungen von Freunden und Familie, die es wohl kaum erwarten können, dass ich wiederkomme, holt mich auch eine Erkältung ein, die ich hoffe in Dubai bei rund 38 Grad ausschwitzen zu können :-)

Der Nachtflieger bringt mich dann Deutschland zeitlich dann schon bis auf zwei Stunden nahe und genau genommen ist die Länge verschmerzt, wenn ich auf mein Busfahrtenkonto schaue, ein Tipp: Bilanzziehen möchte ich lieber nicht, der Schädel dröhnt ohnehin schon!

P.S.: Die Art Gallery und die Museen sind sehr empfehlenswert!

The multi-million dollar weed

 

Manuka- The multi-million dollar weed

Between November and March, starting off in the North of New Zealand, is the Manukatree in white and pink bloom. Just in time for Christmas the hillsides of Farmer Rohnan Dennis in the summer of Wairarapa, near Castlepoint, appear as if they’re covered in snow. That means peak season for the beekeepers.

For a long time, this snow has been cursed, because the myrlte plant, also known as Southseamyrtle (or New Zealand myrtle) was presumed to be disturbing “undergrowth”. This reputation is a heritage of the colonial area, for the reason that European settlers gained farmland during that time by burning down 80 percent of the New Zealand bush. For the fact that Manuka (Leptospermum scoparium) is really tough and resistant, it was the first plant which carried roots on the cleared areas and has according to that uninterrupted been wiped out by the settlers. Today Manuka is used for the long-termed reforestation of this vegetation, which can last up to 75 years. The advantage of Manuka: The plant is neither eaten by sheep, nor makes it high demands on the soil. Ideal growing conditions are preserved on the North island and the southeast Australia.

Until the British Prof. Dr. Peter C. Molan – also known as the father of the Manuka honey industry – who started of investigating the antibacterial effect of honey in 1981, discovered the higher effect of Manuka honey, Mānuka, which has been universally long used by the native, the Maori, (also for diseases like bronchitis, rheumatism, gastric disorders) no international degree of brand awareness. Molan determined that Manuka different from all the rest honeys also consists non-peroxide active components, which are more effective than the usual hydrogen peroxide. A German team of researchers succeeded in 2006 to identify the most important non-peroxide dope: Methylglyoxal (MGO). The MGO-percentage of Manuka is supposed to get ahead 70-times magnified of the normal percentage.

As well the native-born British Denis, who moved to New Zealand 20 years ago, has long been unaware of the healing potential. Eleven years ago, he purchased a 110-hectare big farmland near Castlepoint for his firewood company, because Manuka wood is especially loved because of his sweet aroma for smoking and barbecue.

Five years and thousands of chopped down trees later, he realized which jewels he threw away. The reason: The plant has a widely unknown congener: Kanuka. In opposite to Manuka, Kanuka produces honey without the special antibacterial effect. “The problem are the similarities of the trees“, says Denis, who from then on just chops down Kanuka. As long as the trees haven’t developed the flower capsules the both sorts are hard to be kept apart and so wild grown trees on his property aren’t able to be related prematurely. The flowers and seed capsules of Manuka are able to be twice as big as the ones of Kanuka, whereas the problem is that Kanuka reaches a high of 15 meters and Manuka stays comparable short with the size of four meters (ordinary cases 10 meters) and the existence is decimated by Kanuka after approximately 40 years.

However even in case of Manuka the special effect, which means the “Unique Manuka Factor” (UMF®) is not guaranteed. The UMF-grading of the Honey is detected by comparing the effect strength to the effect of a concentrated phenol dissolution. UMF®5+ comes up to the effect of a 5-percentage phenol dissolution and is traded as consumption honey because of his low grading. Medical relevance starts off from a UMF® of 10-15.

Because the valence disverifies geographically and not every Manuka plant is qualified for MGO, the farmers try to cultivate the highgraded seed. The problem which occurs is that if the plant blooms to early and the 17 degrees which the nectar flow depends on, aren’t reached, the plant is useless to the honey producer.

“A nother problem is that the bees aren’t able to make a difference between Manuka and Kanuka”, says Denis, who tries to get rid of the Kanuka in the hop to upgrade his honey with this measure. The The manuka-identic wood stays a source of income to him for his firewood business. Since the publishing of an article in a New Zealand Lifestyle-Magazin, which advertised the purchase of hives and the “strategic placing” close to Manuka, his neighbour moved his hives to the border fence. “Such appeal to theft doesn’t has to be published“, so the annoyed farmer, whose neighbour – no Manuka tree owner – draws profit within eyeshot out of his years of work and caring for the trees. According to the publisher this way of acting is arguable as long as the acting is “ethical”.

Of which value the honey in the end is, that gets the farmer to know when he is selling the honey to the beekeeper. For the reason that he is paid for the status quo and the UMF increases in the course of time, he isn’t earning what he would be able to. “I’ve been thinking for a long time to keep my own bees”, but for the needed tactfulness Denis is working to full capacity.

One week of sunshine compared to one week rain is supposed to cause a difference of tons in the honey harvest. Climate changes, dry seasons and extreme winds, or a cold, wed and windy summer like the last year, which turned out to be in some region, as for Denis unproductive, therefore are a matter of existence. “Would I just grow Manuka, my situation would have been completely different”, in the meantime more than one company fights to survive.

Next to the firewood- and honeybusiness Denis runs a …. Acre farm with 250 sheep, … cows, and … pigs, with which poo he tries to figure out how to fertilize his trees the best. He waters and cares for his planted trees, which are more than 30 000 by now, manually. “I want to grow good trees”, planting the trees and let them stew un their own grease like the majority does, is a big mistake in his opinion and no option for him.

Whereas the export ten years ago with a volume of 36 million dollars has been a manageable amount, manuka honey is by now a business of high export for the insular state: In 2015 the export value compared to the previous year increased of 41 percent up to a merchandise value of 285 million dollars. “The honey industry is a real success story with strong growth in exports”, said Primary Industries Minister Nathan Guy.

Government and industry primary growth partnership forecast an annual export of 1.2 billion dollar until 2028. What remains problematical is that the increased demand outweighs the production capacity: Produced 1 700 tons are related to 10 000 tons as “genuine” traded Manuka honey. According to Forestry councelor Stuart Orme the situation of the key market stays critical if the manuka resource won’t be managed in the next 40 years, the consumer will realign.

The situation of the manuka industry stays unsecure: At the moment Australia, which trades his honey among the trademark “Tasmanuka”, contests the trademark UMF ® the Kiwi “Active Manuka Honey Association” (AMHA) and in order to that the New Zealand distribution right of UMF-certificated Manuka honey. As the unique diversity of Manuka to Australian and the Tasman origin of the Manuka plant stays controversial, the wind-borne disease myrtle rust, caused by the fungus Uredo rangelii, depicts a serious threat to the whole Manuka stock. Accrued a standardized of the UMF is absent and the three methods (UMF, MGO and KFactor) determine different outcomes. “The consumer doesn’t know what he buys, so he doesn’t buy”, sumps Denis up.

The potential of Manuka honey as a 100 percent natural product for the healing power in times of antibiotic resistances is immense and doesn’t seem to be maxed out for a long time yet. It remains to be seen if the introduction of a wide and effective cultivation succeeds, not to mention the bleak market situation with regard to the blurry quality check and the outstanding lawsuit with the neighbour country Australien about the rights of sale.

! Attention ! When I speak of dollars I mean NZ dollars 🙂 And for the Germans just a quick reminder our Millarden are Billion in English. This article has been printed last weekend in German in an agricultural magazine.

As always: My Copyright on all pictures!

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Sternschnuppenstaub

Wieder festen Boden auf den Füßen!

Nach den Whitsunday Inseln war ich noch benommen und bin verloren durch die Gegend getorkelt, nach Fraser bin ich auf dem Boden der Tatsachen angekommen:

Zwei Nächte und drei Tage war ich auf See und habe die Whitsundays genossen:-)

Und seekrank war ich am Ende nicht, so konnten der Sonnenuntergang und die Sterne ohne Beigeschmack genossen werden.

Whithavenbeach – der weißeste Strand der Welt!

Ein Hingucker war dann auch Fraserisland- die größte Sandinsel auf dem Planeten, auf der Allradtour waren meine neugewonnen Kumpels mit von der Partie und damit jede Menge Flachs und Spaß. Habt ihr schonmal von dem Stern 74 und dem finnischen Krieg gehört? – Noah wird euch sicher auch auf die Sprünge helfen! Sternschnuppen fielen vom Himmel, in den wir breit grinsend starrten. – Die Finnin, die nur Fisch isst, die Deutsche mit dem lädierten Knie und der amerikanische Lügenbaron #carthree aka noahsarche

Gesehen haben wir Seen und einen der reinsten Flüsse auf der Welt – auch als Hangover Bach bekannt – ein Kopfsprung sei Allheilmittel der locals:-)

Fraser ist nach wie vor ein Rätsel – die Vegetation, der Gencode der Dingos und Vogelscheiße, die Fische in den See transportiert – hier ist alles möglich!

Leider auch ein Guide mit dominanter Stimme und Anti-Kiwi-Einstellung – laut ihm seien Kiwis die größten Pussies auf dem Planeten, denn in ihrem Land würde sie nichts töten können. Noah war demnach nicht der einzige Bullshitter unserer Exkursion. Never let Bullshit come in the way of a good story!

Ich vermisse Neuseeland, dort wird gerade kräftig abgeferkelt, obwohl ich auch in Australien mächtige Schweinereien zu Gesicht bekomme, gerade warte ich (mit Ohrstöpseln) auf einen Orgasmus im Nachbarbett, sodass ich zur Ruhe kommen kann.

Das sich füllende Zimmer scheint die nachtaktiven Turteltäubchen nicht abzuhalten. Hier reicht es eine zwanzigminütige Runde Billard und dann geht es aufs Hostelzimmer, das mit sieben anderen geteilt wird – eine Wolldecke als Sichtschutz, doch wen schützt die schlaflosen Seelen vor den knirschenden Matratzenbeben und den Delfingeräuschen?

Ich frag mich wo das Sternschnuppenfunkeln in den Augen des Gegenübers geblieben ist.

Ich sage es dir durch die Lotusblüte!

Hallo in die Welt!

Ich habe mich nun länger nicht hören gelassen, oder es fühlt sich endlos lange an, weil so viel passiert ist. Von Sydney ging es nach Cairns. Und von Cairns in den ältesten Regenwald der Welt der Daintree Rainforest. Gereist bin ich mit Uncle Brian Tours. Es wurde geschwommen, gelacht und gesungen.

Der Hairflip – vor DEM Wasserfall, dieses Bild (Millaa Millaa Falls herbal essentials hair flip) lässt sich übrigens auch mit einem Kahlkopf nachstellen!! Einige Mädchen waren sehr heiß auf dieses Foto, ich habe es dann mal mitgemacht – so aus Freude an der Sache :-D wenn man schon einmal da ist:-)

Musikalisch wurde dieser Ausflug vom Jurassic Park Soundtrack, wie alten Klassikern und dem Song Come to Australia von Lonnie Donegan begleitet – alles im Sinne der untrainierten Lachmuskeln.

Diese wurden dann am nächsten Tag auf dem Weg zum Great Barrier Reef überstrapaziert, denn ich bin trotz Seekrankheitstabletten krank geworden. ABER, entgegen aller Erwartungen habe ich es geschafft und bin das erste Mal in meinem Leben tauchen gewesen.

Anschließend habe ich zwei Nächte auf Magnetic Island verbracht – traumhaft schön und relativ menschenleer:-)

 

Das Sahnehäubchen hier: Freihaus Entertainment. Denn ich habe wohl die intimsten ersten fünf Minuten meines Lebens gehabt. Ein fremdes Mädchen kommt auf mich zu und fragt mich woher ich komme, als sie rausfindet, dass ich deutsch bin, bombardiert sie mich mit ihren Tattoowünschen. Ich weiß nicht wie sie heißt, oder wie alt sie ist, aber das sie eine Palme auf dem Knöchel hat und eine Lotusblume im Schritt, ihr Sternzeichen (Stier) im Nacken und die Insel Korsika (da kommt nämlich ihr Herr Papa gebürtig her) an der Taille haben möchte. Aber damit nicht genug! Denn nachdem sie sich zum WC verabschiedet, ich flüchte und mich erholt habe, kommt ein Crocodile Dundee angeschlichen. Zwei Drinks in der Hand und eine Krokodilgeschichte zum Anfassen, denn die Beweislage seiner überlebten Attacke – die leicht abgeschrammte Cap 🧢 hat er griffbereit und platziert sie dramatisch vor mir auf dem Tisch. Bevor ich seinen Namen erfahre, zeigt er mir seine vernarbten Finger und erzählt mir Lügenmärchen aus Neuseeland – mit gebrochenem Englisch und verdrehten Details. Nur zu dumm, dass ich in Neuseeland war und keine Backpackerin zum Abschleppen bin, denke ich und lasse ihn auflaufen. Hätte er mich nach meinem blutigen Knie gefragt, dann wäre mir bestimmt auch noch eine bessere Geschichte, als mein Sturz auf dem Weg zum Bus, eingefallen – das könnt ihr glauben!

Bei solchen Leuten stellen sich mir die Nackenhaare auf, weil es mich anwidert, wie oberflächlich und plastisch alles geworden ist.

Momentan bin ich in Arlie Beach 🏝 und morgen geht es auf eine dreitägige Segelfahrt auf die Whitsundays – ich bete, dass ich nicht wieder seekrank werde!

P.S.: Hier konkurrieren die Städte übrigens um den Titel der „regenreichsten Stadt“ verliehen wird dann ein goldener Gummistiefel wie hier in der Stadt Tully:

Ich wüsste zu Hause ohne Analyse an welchen Kreis diese Auszeichnung gehen würde;-)

Heim- und Fernweh

Oft wurde ich gefragt: Heimweh? – Kenne ich nicht, war meine Antwort.

Aber das Blatt hat sich gewendet. Urplötzlich schleicht sich ein Fernweh in meinen Kopf, eine Stimme, die mir Gänsehaut verschafft, wenn ich an den Busch, meinen Kiwidad, die Insider, die Hunde und überhaupt Neuseeland denke. Erschwert wird diese „Krise“ durch Jagdbilder nach erfolgreicher Wildschweinjagd, die ich um ein Quäntchen verpasst habe.

Natürlich denke ich mittlerweile auch ab und an an mein deutsches Zu Hause. Die täglichen Kontrollfahrten mit meinem Großvater über Hof und Feld, das flache Land und die Nordsee und dann meine Wollschweine, die Hallenfeten und Unternehmungen mit meiner Landjugend. Und wenn man erstmal anfängt zu vermissen, dann ist man in der Abwärtsspirale gefangen und wird hineingezogen ins schwarze Loch. Da kann man nur hoffen, dass man den Hyperraumsprung wie Han Solo schafft. Den Starwarsfilm habe ich nämlich noch mit meinem mate in Sydney angesehen.

Vielleicht ist Sydney aber auch einfach nicht mein Fall. Ich bin vielleicht Weiten verwöhnt, im Busch in die Ferne zu starren und die Stadt aus der Distanz schimmern zu sehen, ist eben etwas anderes, als den Schmutz in ihren Straßen zu inhalieren. Auf dem Weg zum Frühstück torkeln halbnackte obdachlose Männer ohne Hose an mir vorbei, nachts sitzen sie wie Mumien mit starrem Blick hinter ihren schutzschildgroßen Pappen, die von ihrem Leben erzählen – einer ist seit 22 Jahren auf der Straße – seit er virezehn ist. Eine andere reißt ihre Augen weit auf, der Büstenhalterträger ist ihr über die Schulter gerutscht, ihr Körper zuckt, wie der einer siebzehn Jährigen auf einem Techno Dancefloor nur, dass in der Betonniesche vor der 24/7 beleuchteten Bank kein Platz ist. Vor ihr laufen Lackschuhpaare mit den neusten Sportschuhen um die Wette, die wenigsten schenken ihnen, den Randgestalten der reichen Stadt, Beachtung. Alles ist zu busy – und ich selbst muss schlucken, denn in mir keimt das Fernweh nach der Kiwigelassenheit, dem Lächeln von fremden, die einen geradeheraus ansprechen. Menschen, die einander nach einem kurzen Gespräch um den Hals fallen. God bless you.

Ich möchte zurück in den Busch, um mir die Wut über die Unnahbarkeit aus dem Bauch zu schreien. Doch die Menschen sind hier abgestumpft, selbst die Straßenseelen zu leer, um für mein Lächeln empfänglich zu sein. Und es sind viele Menschen, zu viele für mich. In der Stadt ist das vivid – ein Lichtfestival – aber ich kann mich nicht überwinden mit dieser Masse zu verschmelzen und eine farbenfrohe Lichtshow anzustarren.
Also ja, momentan sehne ich mich nach meinem neuseeländischen Zu Hause und ich bin froh, dass es morgen nach Cairns geht, denn das Hostel ist laut, das Wasser der Stadt riecht nach Chlor, auf den Straßen mischt sich eine Urinnote in Kaffeeröstaroma und Backwaren und der Deutsche im Hochbett über mir beschert mir nächtliche Erdbeben. Es tut mir leid Sydney, aber ich bin ein Dorfkind und ein Kiwi und kennt man die Dinge nicht erst, wenn man die Schattenseiten bzw. die Schandviertel einer Stadt kennt? Oder gilt das nur für zwischenmenschliche Beziehungen?

P.S.: Der dargestellte Vogel ist ein Molukkenibis, den trifft man hier überall:-)

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Unnützer Ballast, oder Retter in der Not?

Sydney ist anders… anders, als ich es mir vorgestellt habe und definitiv kühler, aber immer noch wärmer als Neuseeland. Das Zimmer teile ich mit freizügigen Kerlen und auch hier ist die Luft definitiv deutsch gefärbt. Von meinem Zimmer kann ich auf die Dachterrasse stolpern, auf der die Sterne zwar nicht ganz so schön sind wie in Neuseeland, aber was willst du machen – man will ja schließlich immer was man nicht hat:-) jetzt sitze ich hier, habe schon nach Hause (Neuseeland) telefoniert und es sind wieder Abschiedstränen hochgekommen. Es ist schön nichts tun zu müssen, aber auch irgendwie dumpf. Man fühlt sich ein wenig erschlagen von der Mehrzeit, die man auf einmal hat, um sich um sich selbst zu rotieren- was ich gar nicht mehr gewohnt bin.

Also sitze ich hier und schreibe erstmal in die Welt hinaus:

Bevor ich aus NZ ausgeflogen bin, habe ich nämlich noch einiges nach Hause (Deutschland) geschickt. Und ich kann mich wage daran erinnern, dass ich diesem Blog noch ein Resümee schuldig bin.

Also erst einmal ist weniger wirklich mehr, was die Reisetasche, oder den Rucksack angeht:-)

Glaubt es, oder glaubt es nicht, aber so simpel ist es. Kleidung kann man sich im Ausland zulegen und nötiges Equipment, dass vergessen wurde.

Wie sich rausgestellt hat, bin ich aber ein Allrounder mit monströsem Rucksack. Ich war der Backupplan der Reisenden um mich herum. Von survival Paket über Wäscheleine bis hin zur Wärmflasche habe ich alles dabei.

Das mag jetzt vllt unglaubwürdig klingen, aber alle drei Sachen haben sich für mich als essentiell herausgestellt. Denn das survivalpaket hat der Buschmann besser dabei, während die Wäscheleine auch auf der Farm nützlich war (die andere Wäscheleine hat der 🦌 als Kopfschmuck geklaut, wäre ich ohne die Wärmflasche (für die meine Mutter mich damals verspottet hat) nicht durch die zwei Monate dairy farm gekommen, denn Frau hat nicht nur ab und an Bauchweh, sondern die körperliche Arbeit ging äußerst auf den Rücken und was gibt es schlimmeres, als zu frieren, und ohne simple Wärmflasche zu sein?

Besonders nützlich ist ein Handwaschsack (ich habe einen von der Marke Scrubba, Das beste für die Reiseapotheke waren für mich: Kohletabletten und Tigerbalsam (weiß und rot) und wer gerne viel Gedöns an seinen Rucksack bastelt (oder muss, weil der Innenraum vllt schon überladen ist), der kann auf einen Schutzüberzug für Bus-, Bahn- und Flugzeugreise zurückgreifen: So sind der Rucksack und die Habseligkeiten geschützt – zwei Fliegen mit einer Klappe:-)

Entkeimungstabletten waren an Bord, hätte ich auch gebraucht – habe sie nur nicht angewendet- ein bisschen verpeielt :-D

Für die Mädchen unter uns: Ich benutze seit meiner Reise einen mooncup und muss sagen, dass ich sehr zufrieden bin und ihn auch in Deutschland nicht mehr hergeben werde – fürs Reisen super praktisch und nach der Eingewöhnungsphase recht unkompliziert:-)

Pleiten waren für mich die Moskitocap, für die ich NZ mehr ausgelacht wurde, als das sie mir geholfen hat und auch eine Schlafmatte habe ich umsonst mitgenommen, denn ich bin auf meiner Reise nicht wirklich campen gewesen – aber da muss jeder selbst seine Prioritäten vor Reisebeginn abwägen. Vielleicht hat es an meiner Unerfahrenheit gelegen, dass ich versucht habe so gut wie möglich auf jede Situation vorbereitet zu sein, aber wer meinen Blog von Anfang an verfolgt hat, der weiß dass das auch für den Perfektionisten unmöglich machbar ist und jeder Plan Bs schmieden lernen muss, der den Heimatshafen verlässt.

Ich versuche nun weiter mich mit dieser neuen Stadt und Atmosphäre anzufreunden. Gut Ding will Weile haben :-)

P.S.: Ich bin gestern übrigens von meinem zwei Stunden Jetlag vorm Veröffentlichen eingeschlafen – das kann in Dubai dann ja nochmal heiter werden:-D

Zurück in die Zukunft

Ich habe gerade ein Déjà vu. Vielleicht liegt es daran, dass ich in diesem Moment wieder bei dem Starbucks an der vielbefahrenen Ecke in Auckland sitze, in dem ich mit Christina ganz am Anfang meiner Reise gesessen habe – fast auf dem gleichen Platz.

Doch es ist auch einiges anders: Die Schrammen, Brand- und Schnittwunden auf meinen Beinen zeugen von den Pannen meiner Heldentaten, aber meine Bruchlandungen gingen eigentlich alle glimpflich aus – fingers crossed!

Die sieben Monate fühlen sich wie ein Wimpernschlag an, auch wenn die Erinnerungen und Erfahrungen mich verändert haben, denn hier sitzt kein schwaches Mädchen mit einem Namenswirrwarr auf ihrem Becher, sondern ein halber Kiwi namens Toffee, Muskelansatz und brauner Haut.

Hinter mir habe ich den Abschiedsschmerz und meinen letzten Streifzug an meinem letzten Arbeitstag. Zwar ging dieser ohne Beute aus, aber ich habe ihn genossen – die anderen haben noch einen melting Toffeepops moment (Werbeslogan für die Schokoleckerei) genießen können, in dem sie sich über mein Verheddern in den Lianen und meinem Aufspießen meines Dutts in einem Baum erheitern könnten:-) Gelernt haben wir dann wie das Bushman Toiletpaper (Blätter der Rangiora) ausschaut und wie man im Bush überlebt – #outdoorswithrohnan

Kann ich irgendwie verstehen. Und das richtige Jagen ging dann zu Hause los, denn wieder haben die Hunde die „Haustiere“ als Farmschweine angegriffen. Da wurde die Sau fuchsteufelswild – Hund packen, über den Zaun schleifen und auf Finger und Arme aufpassen!! So kam es dann auch, dass ich meine Kleidung wieder gehörig eingesaut habe – Danke dafür liebe Tiere! Was ein Zufall, dass sich Australien im Bezug auf Einreisende mit Farmvergangenheit so gar nicht einschießt… Naja, die Schuhe habe ich einigermaßen sauber bekommen…bis ich den Hunden dann doch noch Tschüss sagen musste und da ist er wieder der Schlamm an meinen Redbacks, die ich jeden Tag anhatte und die dementsprechend gelitten haben.

Meinen Zeh habe ich mir auch wieder pünktlich angehauen (altbekannte Stelle), nur dass nun noch ein Kürbisschalenschmerzender Finger und blasenblutige Hacken draufzukommen – so viel zu einfach nur Urlaub:-D

Viele von euch haben mich nun schon nach meinem Plan für Australien gefragt: Es ist etwas sehr Ungewöhnliches eingetreten-es gibt keinen. Also wenn man keinen Plan A hat, dann hat man ja genau genommen auch keinen Plan B. Mit dieser Planlosigkeit muss ich erst noch zurecht kommen, aber ganz oben auf meiner Zielliste stehen Enstpannen und Schreiben. Denn das ist in letzter Zeit, also eigentlich von Anfang bis Ende etwas kurzgekommen. Mein einziger Anhaltspunkt für Sydney ist, dass ich meinen Hamburger mate wieder treffe und dann nach drei Tagen wieder alleine bin:-)

Realisiert, dass ich gehe habe ich dann vor der Bustür des Nachtbusses nach Auckland. Nachdem wir in einem chinesischen Restaurant zu Essen waren – natürlich mit dreckigen Schuhen (das wird eine Umstellung in Deutschland aye aye aye), naja wenn es ganz dicke kommt, dann werden die Schuhe vor der Tür ausgezogen, aber neulich habe ich es dann sogar geschafft in Pak’n Safe (Betonboden und Lagerhauscharakter inkl.) gefragt zu werden, ob ich die Schuhe nicht vorher putzen hätte können – eine erste Einstimmung auf deutsche Normen. Mein Kiwidad wird die verpeielte Toffee mit den dreckigen Schuhen und der Scheiß-egal-Einstellung zur Kleidung bestimmt vermissen, denn sein Kommentar war: Toffee is definitively not normal – nothing would be of a surprise.

Auch der Busfahrer nach Auckland hat seine Kiwigelassenheit zu Hause gelassen. Wird man doch ernsthaft angepöbelt und runtergemacht, weil man sich vor der Tür noch um den Hals fällt. Sie würde nur nach Auckland gehen – beeil dich! Beeil dich! Mein Kiwidad korrigiert ihn: nein, sie fliegt zurück nach Deutschland. Somit ist der emotionale Part gesprengt… im Bus kommen mir zwischen den Zeilen des mauligen Busfahrers die Tränen. Der Abschied schmerzt. Aber es ist nur einer auf Zeit und wieso sollen drei Jahre Studium nicht weniger schnell vergehen, als sieben popelige Monate – am Ende ist es alles nur eine Sequenz, begrenzt auf eine Collagenschnittstelle.

Wie diese Jagdbilder, die mich nur daran festhalten lassen wie es war, aber man muss den Moment gelebt haben, um ihn nicht verblassen zu lassen – den Wind auf dem Berg, die Disteln im Hintern, in den Beinen, oder im Rücken und die Weite des Busches vor den Augen.

Und das alles trifft gerade auf die kontrastreiche Betonwüste der Großstadt mit ihren Wohnblockpyramiden und Müllstürmen. Wieder bin ich in der überfüllten Großstadt, die vor Nieselregen auf Stöckelschuhen oder mit Aktentasche überm Kopf in Deckung flüchtet, an meinen Klamotten haften der Schmutz und die Haare der Hunde wie Pech.

Menschen wühlen neben mir in Mülleimern, um durch den Winter zu hamstern und zu überleben und die Menschen hinter Schaltern und in Supermärkten haben ihre neuseeländische Gelassenheit abgelegt, stattdessen lächeln Menschen in ihre Smartphones, oder ist es das eigene Spiegelbild auf der glasklaren Oberfläche? Definitiv interessiert sich hier kaum jemand für die anderen Seelen um sich herum. Ich würde gerne den Resetbutton drücken und zurück, es nochmal machen – alles von Anfang an. Denn momentan fühlt es sich noch so an, als würde ich zehn Tage Urlaub machen und wieder zurück sein: neue Pläne für die Farm schmieden und anpacken.

Es ist komisch so zerrissen zu sein, denn in Gedanken sitze ich schon wieder zu Hause auf dem Trecker und hocke zwischen meinen Schafen und auch dieser Gedanke fühlt sich gut an.

Die Tür Neuseeland ist für mich jeden Falls definitiv noch nicht geschlossen!!

Bilder meines letzten Abends auf der Farm (wir feiern die Hochzeit von Harry und Meghan mit einer britischen Nacht)